Mit dem M45 nach Spandau – an der Endstation am Johannesstift ist das Tiergehege, von dort kann man weiter die Kuhlake entlang durch den Spandauer Forst spazieren. Die Kuhlake entwässerte wohl früher das Moor zur Havel, das mit diversen Aufstauungen der Havel bereits seit dem Mittelalter verlandete, so dass das Wasser jetzt umgekehrt aus der Havel in die Kuhlake fliesst und nahe dem Tiergehege im Kuhlaketeich endgültig versickert. Auch im Wald bildet sie eine Reihe sumpfiger Tümpel, die sehr moorig anmuten.
Ich darf nur einmal kurz zeichnen, da meine Familie zu hungrig zum Verweilen ist (merke: auch auf kurzen Spaziergängen Proviant und Lektüre mitführen, so ausgestattet hätte ich sicher mehr malen dürfen) – wir wandern zu den 2 kleinen Seen, die bei Google Moorpfuhl (groß und klein), auf der Kartentafel am Forst aber Natternteich heißen, laufen einmal rum (schöne urige Tümpel mit Schilf und Birken am Ufer) und dann zurück, zu Heidis Landgaststätte an der Bushaltestelle, wo es Essen und Trinken gibt. Meine Fassbrause kommt in einem Colaglas-wie-früher. Die Tischdecke male ich nicht mehr aus – wer wissen will, wie hübsch das Blumendekor war, muß selbst ausmalen (Zahlenangaben beachten).

Ich zeichne die Treppe runter, vom Mittelpodest, am Görlitzer Bahnhof. Einer der Dealer vom Fuss der Treppe kommt bald angerannt und fragt mich, was ich tue. Zeichnen. Er ist nervös und aggressiv, sagt undeutlich irgendwas, irgendwie warnend bis drohend, soviel verstehe ich. Er geht und weiter passiert nichts. Menschen gehen treppauf und runter zur und von der U-Bahn. Die Typen unten an der Treppe sehen angespannt aus, aber das sind sie wohl immer. Ihre Rolle ist Scheiße, denke ich. Ich gehe bald (Farbe mach ich zu Hause). Am Kiosk ein Plakat eines Lebensmittelmarktes – Wir packen ihnen auch eine Tüte mit Grünem. lustig.

I draw down the stairs, at u-station Görlitzer Bahnhof. One of the drug pushers comes up the stairs and asks, what I do. Draw. He is nervous and aggressive, says something fuzzy, between warning and threatening, that is what I get. Nothing else happens, People walk up and down the stairs for commuting. The guys at the bottom of the stairs look fraught, but I guess this is their usual state. They got a shit role, I think. I leave soon (do colors at home). At a kiosk is a poster of a grocer – Wir packen Ihnen auch eine Tüte Grünes – “we pack you a bag with green stuff too”. funny.

Zum Wochenmarkt in die Markthalle Neun. Im Gewusel Kaffee trinken, Nusssammler auf einem Kunstrasenstreifen ausprobieren und Ziegenkäse kaufen.

Weekly market at Markthalle Neun. I drink coffee in the crowd, test a walnut collector on a strip of artificial turf and buy goats cheese.

St.Oberholz am Rosenthaler Platz – an der Theke redet man laut, in den Kojen hinten bei der Bar eher leise und an den Tischen weiter vorn wird auch gegen Mitternacht gearbeitet,

 .als wir im Keller der Livraria ankamen, wurden Gedichte vorgetragen – es war etwas doof, nicht portugiesisch zu können, klang aber schön. Dann Musik, mit Text, und spontaner Tanz, ohne.

 

Heute eröffnete in der refo-Moabit eine Ausstellung von Fotos des ‘they have names’ Projektes. Viele der Portraitierten sind auch da, rennen durch die Kirche oder betrachten ihr vergrößertes Abbild.

Über friedliches Zusammenleben von Menschen schreiben die Initiatoren Penny Eifrig und Daniel Sonnentag (der hier im karierten Hemd begrüßt): ‘…Dazu gehört, dass man sich seinem Gegenüber öffnet, von sich erzählt, sich offenbart, aber auch zuhört und versucht, sich einzufühlen, zu verstehen, nachzuvollziehen.’

Die Ausstellung ist noch bis zum 26.03. zu sehen.

Today opens the exhibit of photos of the ‘they have names’ project in refo-Moabit.Many of the portrayed are present, run through the church or view their enlarged image.

About peaceful coexistence of people the initiators Penny Eifrig and Daniel Sonnentag (here welcoming in plaid shirt) say: ‘…people have to open up to one another, talk about themselves, but also learn to listen to and empathize with others…’

The exhibition is open till 26.03.

 . .

Sonntagnachmittag fahre ich raus, d.h. erstmal zum Ostbahnhof.

Sunday afternoon I go out, first to Ostbahnhof.

Es ist doch noch ziemlich kalt, so daß der Flohmarkt nur mau besucht ist. Der silberhaarig- und bärtige Verkäufer ist trotzdem gut gelaunt und nett. Wenn es zu voll wäre, wäre auch nicht gut, dann habe keiner Ruhe zum gucken und kaufen.

It is still quite cold, so the flea market is quite poorly visited. The silver haired and bearded stand owner is happy and nice though – if it was crowded it would not be good either, he says, no one would look calmly and buy than.

Am Heinrichplatz sitzen schon viele Leute draussen, einige in dick wattierten Anoraks und Andere nur in Hemd und Trainingshose. Irgendwann lehnt eine Frau ein Fahrrad mit Babypuppe im Römersitz an die Laterne vor dem Lokal. Ich wundere mich nur kurz, den die mutmaßliche Puppen-Besitzerin kommt auf ihrem mutmaßlich ersten Fahrrad angefahren, auf dem Kopf einen rosa Skihelm, inklusive Schneebrille.

At Heinrichplatz people sit outside, some in quilted anoraks, other just in shirt and jogging pants. A woman parks a bike with a baby doll in the back seat, I wonder just a moment, than the presumable doll owner on her presumable first bike appears, wearing a pink ski helmet, including snow goggles.

Auf dem Trödelmarkt am Fehrbelliner Platz finde ich diesen Füller. Um den Preis – 20€ – zu rechtfertigen, verweist der Verkäufer auf die 14k Goldfeder. Meine Frage, ob der Füller denn auch funktioniere, bejaht er, allerdings nicht recht überzeugend (ich hab gelernt, dass funktionierende historische Kolbenfüller eher dreistellige Preise haben). Mittlerweile dämmert mir, dass der Goldanteil einer Schreibfeder nicht wertsteigernder Angeberschnickschnack ist (wie ich zugegebenerweise lange vermutete) sondern die Weichheit und Flexibilität der Feder erhöht. Der Verkäufer hat ein Tintenfass, so dass ich eintauchen und testen kann. Ich kaufe den Füller allein wegen dieser Feder.

An einem Tisch des nahen Parkcafes baue ich ihn sofort auseinander – da, wo ich eine Kolbenmechanik vermutetet sitzt, unter einem Druckknopf eine merkwürdiger Federstahl. Ich nehme das Zeug raus, reinige Feed und Feder und fülle den Korpus von der Rückseite mit Hilfe einer Spritze mit Tinte. Ich zeichne den Füller und die entnommenen Innereien – ein paar schwarze Fetzen hat allerdings schon der Wind verweht. Ich schreibe ‘Kolbenmechanik’, zu Hause finde ich dann heraus, das es eine Druckknopfmechanik war. Die Feder drückte einen Gummischlauch (das waren wohl die schwarzen Fetzen) zusammen, der Schlauch erweitert sich wieder und saugt so Tinte an. Diese Technik war wohl in den 1920er bis 30er Jahren Standard.

So einen Schlauch wird man nicht ersetzen können, ich fülle zu Hause, nach intensiver Amoniak-Reinigung der Teile den Korpus mittels einer Pipette mit blauer Tinte (siehe hier). Ich merke, dass die Tinte bei der Befüllung in die Rückseite durch den Feed direkt herausgedrückt wird, man muß Feder und Feed rausnehmen und von Vorne füllen. Der Korpus ist, nachdem ich die hintere Abdeckkappe mit Silikonpaste beschmiert habe, dicht, allerdings weiß ich noch nicht, ob beim Transport nicht Tinte in die Verschlußkappe läuft. Ich probiere den Stift zunächst mit meinem üblichen ‘Selbsttest’ aus.

At the flea market at Fehrbelliner Platz I find this fountain pen. To justify its price – 20€ – the seller highlights the 14k gold nib. I ask, if it works, he affirms not very convincingly (I learned, that refurbished historical piston pens usually got a three-digit prize). I start to understand, that the gold share of a nib is not some poser-stuff (as I used to presume), but provides flexibility and softness. The seller provides a bottle of ink, and I dip and test. I buy it just for that nib.

I sit on a table at nearby Parkcafe and assemble it – where I expect the piston mechanics I find some peculiar peace of spring steel and a pushbutton. I remove that stuff, clean feed and nib, fill the corpus with an syringe from the back and draw it, including its ‘guts’ – some black shreds are already blowning in the wind. I write ‘Kolbenmechanik’ (piston mechanics) – at home I learn, it is a pushbutton system. The spring steel pushes a rubber hose (those black shreds, I guess), this expands again and pulls ink. This seamed to be standard in the 1920ties to 30ties.

The hose will not be replaceable, at home I clean all parts intensly with ammonia and fill in blue ink with an eyedropper. I learn that when filling from the back ink is directly pushed out through the feed – I need to remove nib and feed and fill it fron the front. The corpus is tight, after I treated the thread of the backcover with silicon grease. I run my usual selftest:

 

_in Berliner U-Bahnen, ICE nach Köln und Regionalbahn nach Grevenbroich.

Auf dem Rückweg erreiche ich eine erste Verbindung in Wuppertal nicht, da ein Zug ‘wegen Personen auf dem Gleis in Opladen’ zu spät ist, so fahre ich bahnappvorschlagsgemäß über Solingen nach Dortmund. Unterwegs stehen wir eine Weile auf dunklen Gleisen rum und in Dortmund ist der Zug nach Berlin dann schon weg. Am Info-Stand wird mir freundlich und unkompliziert ein Hotelgutschein ausgehändigt. Es ist 10, und da ich kein Fußball in der Hotelbar gucken will geh ich raus. Es dauert eine Weile, bis ich eine Kneipe finde, auf deren Fernseher irgendwelche Osteuropop-Videos, statt Fußball laufen. Stammgäste und Personal zocken an den Spielautomaten an der Wand, während ich Flaschenbier trinke.

_in Berlin underground trains, Intercity-train to Cologne and regional train to Grevenbroich.

On the way back I miss a connection in Wuppertal cause of ‘people on the rails in Opladen’, so I follow the suggestion of my railway-app and go via Solingen to Dortmund. The train stands a while on dark rails and as I arrive in Dortmund, the train to Berlin is gone. At the info-spot I get – easy and friendly – a coupon for an hotel. Cause I do not want to watch Soccer in the hotels bar I go out. It takes a while till I find a pub, that has east-euro-pop instead of soccer on the TV. Regulars and staff play at the slot machines while I have beer from bottles.

Samstag spätnachts im eigentlich ‘Dicken Wirt’ in der Danckelmannstrasse, der nach irgendwie halbherzig abgebrochener Renovierung als ‘Langer Wirt’ unter ebensolchem neuen Besitzer eröffnete.

 

Dienstagsabend Pizza im Pasta é Pizza in der Wilmersdorfer.

Am Samstagnachmittag Kuchen im Café Reet am Klausener Platz.