Auf dem Trödelmarkt am Fehrbelliner Platz finde ich diesen Füller. Um den Preis – 20€ – zu rechtfertigen, verweist der Verkäufer auf die 14k Goldfeder. Meine Frage, ob der Füller denn auch funktioniere, bejaht er, allerdings nicht recht überzeugend (ich hab gelernt, dass funktionierende historische Kolbenfüller eher dreistellige Preise haben). Mittlerweile dämmert mir, dass der Goldanteil einer Schreibfeder nicht wertsteigernder Angeberschnickschnack ist (wie ich zugegebenerweise lange vermutete) sondern die Weichheit und Flexibilität der Feder erhöht. Der Verkäufer hat ein Tintenfass, so dass ich eintauchen und testen kann. Ich kaufe den Füller allein wegen dieser Feder.

An einem Tisch des nahen Parkcafes baue ich ihn sofort auseinander – da, wo ich eine Kolbenmechanik vermutetet sitzt, unter einem Druckknopf eine merkwürdiger Federstahl. Ich nehme das Zeug raus, reinige Feed und Feder und fülle den Korpus von der Rückseite mit Hilfe einer Spritze mit Tinte. Ich zeichne den Füller und die entnommenen Innereien – ein paar schwarze Fetzen hat allerdings schon der Wind verweht. Ich schreibe ‘Kolbenmechanik’, zu Hause finde ich dann heraus, das es eine Druckknopfmechanik war. Die Feder drückte einen Gummischlauch (das waren wohl die schwarzen Fetzen) zusammen, der Schlauch erweitert sich wieder und saugt so Tinte an. Diese Technik war wohl in den 1920er bis 30er Jahren Standard.

So einen Schlauch wird man nicht ersetzen können, ich fülle zu Hause, nach intensiver Amoniak-Reinigung der Teile den Korpus mittels einer Pipette mit blauer Tinte (siehe hier). Ich merke, dass die Tinte bei der Befüllung in die Rückseite durch den Feed direkt herausgedrückt wird, man muß Feder und Feed rausnehmen und von Vorne füllen. Der Korpus ist, nachdem ich die hintere Abdeckkappe mit Silikonpaste beschmiert habe, dicht, allerdings weiß ich noch nicht, ob beim Transport nicht Tinte in die Verschlußkappe läuft. Ich probiere den Stift zunächst mit meinem üblichen ‘Selbsttest’ aus.

At the flea market at Fehrbelliner Platz I find this fountain pen. To justify its price – 20€ – the seller highlights the 14k gold nib. I ask, if it works, he affirms not very convincingly (I learned, that refurbished historical piston pens usually got a three-digit prize). I start to understand, that the gold share of a nib is not some poser-stuff (as I used to presume), but provides flexibility and softness. The seller provides a bottle of ink, and I dip and test. I buy it just for that nib.

I sit on a table at nearby Parkcafe and assemble it – where I expect the piston mechanics I find some peculiar peace of spring steel and a pushbutton. I remove that stuff, clean feed and nib, fill the corpus with an syringe from the back and draw it, including its ‘guts’ – some black shreds are already blowning in the wind. I write ‘Kolbenmechanik’ (piston mechanics) – at home I learn, it is a pushbutton system. The spring steel pushes a rubber hose (those black shreds, I guess), this expands again and pulls ink. This seamed to be standard in the 1920ties to 30ties.

The hose will not be replaceable, at home I clean all parts intensly with ammonia and fill in blue ink with an eyedropper. I learn that when filling from the back ink is directly pushed out through the feed – I need to remove nib and feed and fill it fron the front. The corpus is tight, after I treated the thread of the backcover with silicon grease. I run my usual selftest:

 

_in Berliner U-Bahnen, ICE nach Köln und Regionalbahn nach Grevenbroich.

Auf dem Rückweg erreiche ich eine erste Verbindung in Wuppertal nicht, da ein Zug ‘wegen Personen auf dem Gleis in Opladen’ zu spät ist, so fahre ich bahnappvorschlagsgemäß über Solingen nach Dortmund. Unterwegs stehen wir eine Weile auf dunklen Gleisen rum und in Dortmund ist der Zug nach Berlin dann schon weg. Am Info-Stand wird mir freundlich und unkompliziert ein Hotelgutschein ausgehändigt. Es ist 10, und da ich kein Fußball in der Hotelbar gucken will geh ich raus. Es dauert eine Weile, bis ich eine Kneipe finde, auf dessen Fernseher irgendwelche Osteuropop-Videos, statt Fußball laufen. Stammgäste und Personal zocken an den Spielautomaten an der Wand, während ich Flaschenbier trinke.

_in Berlin underground trains, Intercity-train to Cologne and regional train to Grevenbroich.

On the way back I miss a connection in Wuppertal cause of ‘people on the rails in Opladen’, so I follow the suggestion of my railway-app and go via Solingen to Dortmund. The train stands a while on dark rails and as I arrive in Dortmund, the train to Berlin is gone. At the info-spot I get – easy and friendly – a coupon for an hotel. Cause I do not want to watch Soccer in the hotels bar I go out. It takes a while till I find a pub, that has east-euro-pop instead of soccer on the TV. Regulars and staff play at the slot machines while I have beer from bottles.

Samstag spätnachts im eigentlich ‘Dicken Wirt’ in der Danckelmannstrasse, der nach irgendwie halbherzig abgebrochener Renovierung als ‘Langer Wirt’ unter ebensolchem neuen Besitzer eröffnete.

 

Dienstagsabend Pizza im Pasta é Pizza in der Wilmersdorfer.

Am Samstagnachmittag Kuchen im Café Reet am Klausener Platz.

In der Abguss-Sammlung antiker Plastiken in Berlin ist ganz am Ende ein Abguss des Barberinischen Fauns, dessen Original in München ist, wie ich lerne.

In einer Ecke finden und zeichnen wir einen Pferdekopf. Es ist ein Abguss von einem kompletten Reiterstandbildes Mark Aurels, ein Abguss dessen Kopfes steht gleich daneben. Meine Tochter verhindert, dass ich mehr als sein rechtes Auge zeichne, sein Bild würde die Wirkung des Pferdes beeinträchtigen, außerdem schaue er schnöselig. Ich habe eine Ahnung, das Aurel eher eine geschätzte Gestalt war, muß aber – trotz meines mit Mühe erworbenen Latinums – bei Wikipedia nachschlagen, um mehr über den ‘Philosophenkaiser’ zu erfahren.

Zu Mittag am Donnerstag im Cafe Feyza. Der Laden an der Ecke nah unserer Wohnung wechselte über die Jahre den Schwerpunkt vom Minikiosk direkt an der Ecke – Büdchen also – über Universal-Dienstleister – Packetpost, Geldtransfer, Zeitung, Kaffee –  im grösseren Laden daneben, zum Café mit ein bisschen Kiosk ebenda und jetzt. Dieses mag ich sehr.

Selbstgebackenes zum Tee. Auf dem Tisch Orchideen – Plastik und Stoff, die Sonne strahlt durch Schaufenster und Vase und macht rosa Flecken in den Schatten.

Im Grunewald gibt es nur noch einzelne Schneeinseln und Eis auf den Wegen.

Auf kleinen Buchten der Havel ist eine dünnen Eischicht, dahinter spiegelt sich hellorangenes Nachmittagslicht im offenen Wasser.

Zwischen Treibholz und freigewaschenen Wurzeln direkt am Ufer ist der Rest einer dickeren Eischicht meist zu kleinen Schollen zerbrochen.

 

In Grunewald are only some snow patches left, and ice on the paths.

In small bays of the Havel is a thin layer of ice, the pale orange afternoon light is reflected by the open water behind.

Between driftwood and washed out roots at the riverside a leftover thicker layer of ice is mostly cracked to slabs.

Während ich zeichne dringt ein Satz der Unterhaltungen, die ich sonst höre, ohne ihren Inhalt wahrzunehmen, in mein Bewusstsein. Da mir der Zusammenhang entgangen ist, weiß ich nicht, was der Wirt nicht aufklärt, indem er sagt: “Thüringen? Ick bin Wirt und kein Erdkundelehrer. Keine Ahnung.”

Es liegt ein wenig Schnee, so dass die ca.10 m hohe, fichtenbewachsene Böschung am Rande der Gegengerade des Eisrings bei entsprechender Sehnsucht alpin anmutet.

Diesen Sonntag ist das Eisstadion besonders voll, um 14:00 öffnet die Innenfläche und auch der Aussenring bleibt noch 1 Stunde auf. Das frische Eis lockt viele nach Innen.

_ in Kaffeeläden.

Das Caras am Ernst-Reuter-Platz ist aufgeräumt und viele Produkte enthalten Vitamine.

Im Starbucks in der Wilmersdorfer ist es warm, man kriegt Kaffee und wird dann genauso wenig behelligt, wie die rumstehenden Tassen der Vorgäste.

_fahren wir nach Westen, zum Besuch der (Schwieger-/Groß-) Eltern. Im ICE kann man zum Süßgetränk Lesen oder sich digital vergnügen.

Im Regionalexpress in Westfalen fährt ein Hund mit.

Zwischen den Mahlzeiten spielen wir im Garten Ballabwerfen,

malen auf einem Sackgleis am nahen Bahnhof abgestellte Schüttwagen

oder essen kristallinen Marmorkuchen.

Im vollgepackten Regionalexpress geht es weiter ins Rheinland.

Im Garten stehen Heckenbuchen,

alte Freunde kommen zu Besuch,

und vor der Heimfahrt schaue ich noch einmal vom raubereiften Ufer in den Teich hinter dem Garten.